Hamsterräder sind für Hamster gemacht

Vor einigen Wochen kam mir Fipsi in den Sinn. Fipsi war mein Goldhamster. Ich habe Fipsi geliebt. Da Hamster nachtaktiv sind, was das Miteinander von Kind und Tier nicht unbedingt fördert, hab ich mich immer riesig gefreut, wenn er mal wach war, ich ihn auf die Hand nehmen oder ihn in seinem Hamsterrad beobachten konnte. Wie er mit seinen dicken Hamsterbacken (dort hat er immer die von meiner Mama selbstgestrickten Kuschelfleckchen gebunkert) recht fröhlich wirkend im Hamsterrad seine Runden gedreht hat.

Bei diesen Bildern kam mir der Satz in den Sinn:

Hamsterräder sind für Hamster gemacht und die Idee, dazu einen Blogbeitrag zu schreiben. Beim Frühstück erzählte ich meinem Mann erfreut von meiner Idee. Er sah mich etwas verständnislos an und meinte, wo da der Witz läge und das sei ja wohl keine neue Erkenntnis.

Vor einem Teammeeting kam ich mit unserem Kollegen dann darüber ins Gespräch. Sepp stieg gleich darauf ein und sagte: „Ja, das stimmt wirklich. Hamster brauchen Hamsterräder.“ Er erzählte mir von einem Beitrag, den er kürzlich im Fernsehen gesehen hatte. Darin wurde von einer Untersuchung berichtet, bei der Hamster in großen Gehegen mit abwechslungsreichem Gelände und viel Möglichkeiten für Auslauf gehalten wurden. In diesen Gehegen befanden sich u.a. neben Höhlengängen auch Hamsterräder. Und was tut der Hamster? Er erkundet aktiv die Gegend und obwohl es ihm nicht an Alternativen mangelt benutzt er sein Hamsterrad. 

Es sei dahin gestellt, ob es wirklich der freie Wille des Hamsters ist, in einem Käfig zu wohnen. Aber sein Hamsterrad scheint er wirklich zu lieben. Und wenn er nicht mehr mag, dann steigt er einfach aus. 

 

 

Und was machen wir? Wir laufen, und laufen, und laufen. Der Gesichtsausdruck wirkt vielleicht etwas angestrengt mit der Zeit, die Muskeln ziemlich angespannt. Aber wir laufen. Wir laufen für das Projekt, wir laufen für unsere Anerkennung, wir laufen für einen leeren Wäschekorb, wir laufen, um es allen recht zu machen, wir laufen, weil wir unser Bestes geben wollen, wir laufen für den Erfolg, wir laufen für unser Glück. Und wenn es nicht funktioniert, dann laufen wir eben etwas schneller, oder doch lieber langsamer? Aber wir laufen. Bis wir irgendwann hinter das Geheimnis des Hamsterrades kommen: Es ist rund. Es hat kein Ende. Aber was ist die Alternative? Aussteigen? Keine gute Idee. Ob es im Hamsterrad Spaß macht? Na ja – aber zumindest haben wir so überlebt. 

 

 

Bei meinem letzten MBSR Kurs habe ich den Teilnehmern die 9 Punkte Methode vorgestellt. Für die meisten Menschen, die diese Aufgabe das erste Mal sehen, scheint sie erst einmal unlösbar. Sie kann nur gelöst werden, wenn wir aus unserem normalen Denkraster aussteigen. Und auf einmal liegen Möglichkeiten vor uns, die nicht vorstellbar waren. Die Lösung liegt nicht im Hamsterrad. Vielleicht  doch mal einen Fuß hinauswagen und nachschauen, was da draussen ist? Andere Blickwinkel einnehmen und neue Möglichkeiten entdecken. Vielleicht kommt die verkrampft gesuchte Idee beim Spazierengehen einfach so ums nächste Eck geschlendert. Sonne auf der Haut spüren, die Zeit mit Freunden genießen, innehalten, nicht rennen sondern einfach da sein, spüren, wie sich der Körper entspannt, das TUN  mal SEIN lassen, der Kreativität eine Chance geben, erfahren, dass mehr nicht immer mehr bringt, erleben, dass das Glück da ist, einfach so, nicht am Ende von…, sondern jetzt.

Ihr lieben in freier Wildbahn lebenden Menschen: verlasst eure Hamsterräder und überlasst sie denen, für die sie gemacht sind.

Dem Hamster zuliebe!

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